
Big Brother is watching you
Soll die Zuteilung von Weinimport-Kontingenten an den Kauf von Schweizer Trauben gekoppelt werden? Ein Vorschlag aus dem Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) von Bundesrat Guy Parmelin (aus dem Waadtländer Weinbaudorf Bursins stammend, ein Schelm, wer Böses denkt) bedroht die Gastronomie, den Weinhandel und die Vielfalt im Glas.
Die Weinlandschaft (und mit ihr die Gastronomie) lebt von Vielfalt und Entdeckergeist. Doch diese lebendige Kultur steht vor einer bürokratischen Zerreissprobe. Das WBF will die Zuteilung der Importkontingente für Wein umkrempeln. Was gut gemeint sein mag, entpuppt sich als planwirtschaftliche Absurdität à la DDR. Oder wie es die NZZ treffend formuliert: als eine «Schnapsidee zum Weinen».
Die freie Marktwirtschaft wird zum Mythos. Heute können Weinhändler pro Jahr 170 Millionen Liter Wein zu einem vergünstigten Zoll importieren. Diese Menge wurde bisher nie ausgeschöpft. Der Markt funktioniert. Nun schlägt das Departement Parmelin vor, Kontingente nach einer «Inlandleistung» zu verteilen: Wer Wein einführen will, muss Schweizer Trauben einkaufen und selbst keltern. Ein Schreibtisch-Entwurf, der die Realität ignoriert.
Die Leidtragenden wären jene, die das gastronomische Angebot mit Nischenprodukten bereichern. Importeure und kleinere Weinläden um die Ecke stünden plötzlich ohne Importrechte da. Selbst Weinhändler mit angeschlossener Kellerei werden abgestraft: Wer ausschliesslich eigene Reben keltern will und keine fremden Trauben zukauft, erhält gemäss diesem Entwurf kein Importkontingent mehr. Zwei Drittel der heutigen Importbetriebe und Handelskellereien würden über Nacht vom System ausgeschlossen.
Grosskellereien hingegen, die ohnehin Trauben im grossen Stil aufkaufen, würden mit Kontingenten überschwemmt. Da die Zertifikate handelbar sein sollen, entsteht ein künstlicher Markt. Für die Schweizer Winzer verbessert sich dadurch nichts.
Gute Gastronomie braucht Freiheit, nicht staatliche Bevormundung. Doch die Überregulierung greift weiter um sich. Während das WBF den Weinimport knebelt, droht von anderer Seite die nächste Einschränkung: Die Bestrebungen des Bundes, den Alkoholkonsum via restriktiver Empfehlungen immer stärker zu reglementieren, nehmen Fahrt auf. Warum eigentlich sieht es der Staat heute zunehmend als seine Aufgabe an, uns systematisch den Spass zu verderben?
Gegen diesen moralisierenden Generalverdacht regt sich Widerstand. Die Allianz «Gaudium Suisse» – ein Zusammenschluss aus Gastronomie, Weinbau und Politik – wehrt sich gegen die zunehmende Stigmatisierung des Konsums. Sie fordert zu Recht, dass das kultivierte Glas Wein beim Abendessen im Restaurant nicht kriminalisiert werden darf. Genuss und Eigenverantwortung gehören zusammen.
Man kann Weintrinker nicht per Dekret erziehen oder zwingen, Produkte zu kaufen, die sie nicht wollen. Zwischen 2014 und 2024 ist der Weinkonsum in der Schweiz bereits um 18 Prozent geschrumpft. Wer nun ausländische gegen einheimische Weine ausspielt und gleichzeitig den Genuss madig macht, schadet der gesamten Branche. Die Sorgen der Winzer sind real. Doch die Lösung liegt in zeitgemässem Marketing,
Innovation und echter Selbsthilfe wie dem Weinmarktfonds, und nicht in Verboten.
Mutige Unternehmer gewinnen durch klare Konzepte und Qualität, nicht durch protektionistische Schutzwälle oder verordneten Kulturverlust. Wer Wein als Lebensfreude versteht, setzt auf Vielfalt und Eigenverantwortung. Das gilt übrigens nicht nur für das Sortiment im Keller: Wer glaubt, Wohlstand und Lebensqualität liessen sich durch starre, mathematische Obergrenzen herbeibefehlen, verkennt, dass wahre Stärke aus Dynamik und Offenheit entsteht. Und nicht aus der Illusion einer staatlich verordneten Mangelverwaltung. Setzen wir ein Zeichen gegen diesen regulativen Unfug. Und stossen wir gemeinsam an. Weil Weingenuss Freiheit braucht. Und damit die liberale Marktwirtschaft nicht zum Mythos wird. Prost!