
Das eleven im Wankdorfstadion wechselt dank modularer Einrichtung zwischen Restaurant und Fanlokal
Im Berner Wankdorfstadion ist das Restaurant eleven mehr als ein klassisches Stadionrestaurant. Die meiste Zeit empfängt es seine Gäste in einem stilvollen Ambiente und an Spieltagen verwandelt es sich in kürzester Zeit in ein Fanlokal. Möglich macht dies ein durchdachtes Konzept aus modularer Einrichtung und funktionalem Design, ganz nach dem Motto: Design ja, aber nicht auf Kosten der Alltagstauglichkeit.
Seit 2023 verantwortet die BSC Young Boys AG ihre gastronomischen Einheiten in Eigenregie, konkret das Restaurant eleven sowie das VIP- und Publikumscatering im Wankdorfstadion. Dazu wurde damals die YB Gastro AG in den Besitz des Clubs überführt und im vergangenen Jahr nun organisatorisch komplett integriert. «Das veranlasste uns, die gastronomischen Bereiche vertieft zu analysieren und strategisch weiterzuentwickeln», erklärt Martin Geiger, Chief Hospitality Officer bei BSC Young Boys.
Die Analyse zeigte, dass die Auslastung des Restaurants eleven im Jahresverlauf schwankte. «Deshalb entstand zunächst die Idee, den hinteren Restaurantbereich als separaten Eventraum nur an Spieltagen zu öffnen.» Doch die rund 150 Quadratmeter boten weiteres Potenzial: «Der Profimannschaft fehlte bislang eine eigene Trainingshalle. Individual- und Rehaeinheiten fanden teilweise in den Gängen statt, ein Zustand, der dem sportlichen Anspruch der 1. Mannschaft schon lange nicht mehr gerecht wurde. Entsprechend rückte die Umnutzung der Fläche zu einem Athletikraum in den Fokus», erklärte Martin Geiger.
Mit dem Entscheid für den Athletikraum musste die Gastronomiefläche des eleven neu gedacht werden und damit rückte auch das kulinarische Profil in den Fokus. Das mediterrane Konzept mit Pizza und Pasta hatte sich bewährt, ein gezielter Feinschliff war trotzdem erwünscht: «Wir strafften die Speisekarte und passen das Angebot nun fünfmal jährlich saisonal an. Die Pizzas bleiben und bei den Pastagerichten wichen klassische Standards eigenständigen Kreationen, ergänzt durch eine kleine Auswahl weiterer Gerichte.»
Vom Food-Konzept zur baulichen Umsetzung
Das neue Angebot positioniert sich nun im Bereich Casual Dining und Comfort Food und bot die Grundlage für die baulichen Anpassungen. Für deren Umsetzung holte die BSC Young Boys AG die Thuner Profis der Gschwend AG Gastro-Bau an Bord, die auf die Planung und Realisierung von Gastronomiebetrieben spezialisiert sind. Kein Zufall, wie Martin Geiger betont: «Ich hatte vor gut zehn Jahren bei einem Projekt mit Inhaber und Geschäftsführer Raymond Zürcher und Hans Brönnimann bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. Wenn also jemand den Spagat im eleven schaffen konnte, dann sie.» Gemeint war der Wunsch nach einer Einrichtung, die tagsüber ein stilvolles Restaurantambiente schafft und an Matchtagen den Partybetrieb eines Fanlokals zulässt.
«Ich hatte mit Inhaber Raymond Zürcher bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. Wenn also jemand den Spagat im eleven schaffen konnte, dann die Gschwend AG Gastro-Bau.»
Die Gschwend AG Gastro-Bau übernahm die Herausforderung und brachte ihr gesamtes Know-how ein – von der Erstanalyse bis zur Bauabnahme (siehe Box). Dazu gehörte auch die Bauleitung, die von der BSC Young Boys AG im Doppelmandat vergeben wurde. «Wir übernahmen die Bauleitung für den Gastro-, Weiss+Appetito jene für den Athletikbereich. Daraus ergaben sich anspruchsvolle Schnittstellen, aber auch wertvolle Synergien», erklärt Samuel Zürcher, Projektleiter und stellvertretender Geschäftsführer bei der Gschwend AG Gastro-Bau.
Die Thuner Firma hatte auch bei der Wahl der Partner klare Vorgaben: «Wir berücksichtigen wenn möglich immer unsere Sponsoren. Daran musste sich auch Gschwend halten, selbst wenn andere Anbieter gewisse Leistungen möglicherweise günstiger offeriert hätten. Gleichzeitig mussten sie die Kosten im Rahmen halten.» Ein Balanceakt, dessen sich Martin Geiger bewusst war. Samuel Zürcher relativiert jedoch: «Die beteiligten Unternehmen waren mit der Infrastruktur, den Abläufen und den Erwartungen im eleven bestens vertraut. Das förderte die Effizienz, was sich im engen Zeitrahmen bezahlt machte.»
«Die Herausforderung bestand darin, einen Raum zu schaffen, der als stilvolles Restaurant funktioniert und sich in kurzer Zeit in eine Eventfläche verwandeln lässt.»
Mit Baubeginn am 22. Dezember – also kurz vor den Feiertagen – war der Zeitplan mit der geplanten Eröffnung Anfang Februar nämlich ziemlich ambitioniert. Der Rückbau startete zunächst reibungslos, bis ein Wasserschaden zusätzliche Arbeiten erforderte. Auch unterschiedliche Erwartungen innerhalb des BSC Young Boys stellten den Terminplan auf die Probe. «Wir haben intensiv diskutiert und gerungen, aber am Ende entstand ein tragfähiger Konsens, der für alle stimmte», bestätigt Martin Geiger.
Modularität als Schlüsselkonzept
«Die eigentliche Herausforderung beim Umbau bestand darin, einen Raum zu schaffen, der als stilvolles Restaurant funktioniert und sich an Matchtagen innert kürzester Zeit in eine Eventfläche verwandeln lässt», erklärt Samuel Zürcher. «Wir haben das Projekt deshalb in klaren Schritten entwickelt: zuerst das Raumkonzept entlang der betrieblichen Abläufe, dann die funktionalen Lösungen und erst darauf aufbauend das Design. Unsere Visualisierungen halfen dabei stark, auch wenn ihr Detailierungsgrad manchmal dazu verführte, sich zu früh in Einzelheiten zu verlieren.»
Kernstück der Lösung ist eine konsequente Modularität. Die Tische sind klappbar, die Stühle stapelbar und auf Rollwagen verstaubar; im rückwärtigen Bereich wurde dafür zusätzlicher Stauraum geschaffen. Gleichzeitig bleibt im Partymodus ein fixer Möblierungsanteil mit Stehtischen und Polsterbänken bestehen. «Bei der Materialwahl standen deshalb auch funktionale Überlegungen im Vordergrund. Stoffstühle wurden zwar als gemütlicher empfunden, bei den fest installierten Bänken entschied man sich aber bewusst für robustes und pflegeleichtes Leder», betont Samuel Zürcher. Beim mobilen Mobiliar, das bei Bedarf weggeräumt wird, durfte hingegen durchaus Stoff eingesetzt werden.
Gestalterisch sollte der Clubcharakter spürbar sein, ohne das Restaurant zum Fanlokal zu machen. «Statt grellem Gelb und hartem Schwarz setzten wir auf Senf- und Goldtöne, die Zugehörigkeit signalisieren aber nicht aufdringlich wirken», sagt Samuel Zürcher. YB ist präsent, aber dezent und mit Stil. Und auch dieser Spagat ist gut gelungen wie Martin Geiger betont: «Wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit der Gschwend AG Gastro-Bau.»
Design mit subtiler Stadionnote
Dazu leistete Andreia Dos Santos einen wichtigen Beitrag. Die Innenarchitektin der Gschwend AG Gastro-Bau verantwortete und begleitete den gestalterischen Prozess. Eine besondere Herausforderung war die Raumhöhe: «Wir mussten den hallenartigen Charakter brechen und arbeiteten mit verschiedenen Ebenen. Unterschiedlich hohe Bankrückwände sowie Steh- und normale Esstische schaffen Struktur. Hinzu kommen tiefer gesetzte Leuchten, verschiedene Oberflächen und – für etwas Wärme – ein überdimensionales Wandbild aus Fichtenholz. Gleichzeitig galt es, für die drei Bereiche – die Bar sowie die Restaurantteile im vorderen und hinteren Teil – einen roten Faden zu finden, ohne dass überall dieselbe Stimmung entsteht.»
«Wir mussten den hallenartigen Charakter brechen und arbeiteten mit verschiedenen Ebenen.»
Auch die Akustik war ein Thema. Die bestehenden Akustikplatten an der Decke wurden durch schallabsorbierende Akustikbaffeln sowie Akustikwände ergänzt. Ein besonderes Gestaltungselement sind die sogenannten «Biertrennwände» – eine Idee von Andreia Dos Santos. «Wie in einem Bierregal sind leere Bierflaschen mit Deckel übereinander angeordnet. Glaswände und eine Metallumrandung bilden den Rahmen. Diese teils mobilen Trennwände zonieren den Raum, sind lichtdurchlässig und verweisen subtil auf die Stadionkultur, wo der Bierkonsum eine wichtige Rolle spielt», erklärt die Innenarchitektin. Dies geschieht jedoch nicht plakativ, sondern mit einem dezenten Augenzwinkern. Insgesamt entstand im eleven also ein stimmiges Gesamtbild, das Eleganz und Fancharakter ebenso verbindet wie Restaurant- und Partybetrieb.
Facts & Figures zum Eleven
Projekt: Umbau Restaurant eleven
Wankdorfstadion Bern
Bauherrschaft: BSC Young Boys AG
Fläche Gastronomie: 470 m²
Sitzplätze Restaurant: 176
Projektstart Planung: Mai 2025
Bauzeit: 7 Wochen
Die Leistungen der Gschwend AG Gastro-Bau
- Konzept- und Projektentwicklung
- Innenarchitektur
- Ausführungsplanung
- Bauleitung
- Objekteinrichtung
- Baranlage
Restaurant eleven
Papiermühlestrasse 71
3014 Bern
Gschwend AG Gastro-Bau
Talackerstrasse 52
3604 Thun