Abschied von einer Soho-Legende:

Der Schweizer Gastronom Armin «Sweety» Loetscher ist in London verstorben

29.04.2026
Gourmet 5/26
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Der gebürtige Schweizer Armin Loetscher, Besitzer des legendären Clubs und Restaurants St Moritz im Herzen von Soho, ist am 11. März im Alter von 87 Jahren verstorben. Mit ihm verliert das Londoner Viertel eine schillernde Figur und ein Stück seiner wilden Musik- und Clubgeschichte.

Armin Loetscher wurde am 1. Mai 1938 geboren. 1959 kam er 21-jährig, nach London, eigentlich nur, um sein Englisch zu verbessern. Der gelernte Patissier hatte seine Lehre im Zürcher Niederdorf bei der Confiserie Schurter absolviert. In London fand er eine Stelle als Confiseur in der Floris Bakery in Soho, einer renommierten Konditorei an der Brewer Street, geführt vom ungarischen Ehepaar Frederick und Maria Floris – besser bekannt als Madame Floris.

Die Floris Bakery war berühmt für ihre grandiosen Torten, belieferte das britische Königshaus und fertigte mehrfach Geburtstagstorten für Winston Churchill. An jener zu seinem 88. Geburtstag wirkte Armin Loetscher mit und lernte den britischen Staatsmann auch persönlich kennen. Dann ging er für anderthalb Jahre zur See – auf dem Schiff Amazon der Royal Mail – von London nach Brasilien und über die kanarischen Inseln zurück nach London. Zurück ins Soho. Hier arbeitete er und war häufiger Gast im späteren St-Moritz-Club, der immer besser lief. Armin half mit, schliesslich über-nahm er den Club.

«Sweety» – Gastgeber einer ganzen Ära

Der kleine Kellerclub wurde Treffpunkt für Schweizerinnen und Schweizer in London und bald auch zu einer festen Grösse der Rock- und Clubszene. Hier traten The Kinks auf, Musiker, die später zu Deep Purple wechselten, U2, Metallica, AC/DC. Zu den regelmässigen Gästen zählten auch Lemmy, Frontman von Motörhead, sowie Joe Strummer von The Clash, der dem Club mit «Sweety of the St Moritz» sogar ein musikalisches  Denkmal setzte. Seinen Spitznamen «Sweety» erhielt Armin Loetscher übrigens, weil er den Frauen in Soho gerne Süssig- keiten mitbrachte.

1974 übernahm er über dem Club das St-Moritz-Restaurant,  das bis heute als ältestes Schweizer Restaurant Londons gilt. Typisch für Loetscher war seine Doppelrolle: Tagsüber stand er als Koch im Restaurant, machte Schweizer Spezialitäten bekannt und nachts war er Gastgeber im Club. Bis zuletzt: «Das ist mein Leben.»

Während sich das Londoner Quartier Soho im Laufe der Jahrzehnte vom rauen Vergnügungsviertel zum touristischen Hotspot wandelte und viele der alten Clubs verschwanden, während Coffee Bars, Sandwichläden und internationale Ketten das Bild zunehmend prägen, blieb das St Moritz ein Stück «altes Soho». Genau dafür wurde Loetscher von vielen verehrt: als jemand, der eine unangepasste Clubkultur über mehr als sechs Jahrzehnte bewahrte. Persönlichkeiten wie «Sweety» Loetscher hielten den Geist des alten Soho lebendig.


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