
Henri Scheibli und seine Waldschenke
Seit fast 40 Jahren steht Henri Scheibli in der Waldschenke persönlich am Herd. Gemeinsam mit seiner Partnerin Sascha Jeremic pflegt er am Waldrand zwischen Aarberg und Biel eine Gastronomie, die auf Beständigkeit, provenzalisch-französische Küche und stille Gastfreundschaft setzt.
Zwischen Aarberg und Biel, dort, wo sich die Strasse sanft durch Felder und Waldstücke schlängelt, steht ein Haus, das wirkt, als sei es einem anderen Kapitel der Zeit entstiegen. Grüne Fensterläden, ein rotes Ziegeldach, das leise Knarren eines Hängeschilds im Wind – die Waldschenke empfängt ihre Gäste nicht mit Inszenierung, sondern mit Selbstverständlichkeit.
Doch hinter der idyllischen Kulisse verbirgt sich weit mehr als ein Landgasthof. Die Geschichte dieses Hauses ist untrennbar mit der Familie Scheibli verbunden – einer Wirtedynastie, deren kulinarische Handschrift seit über einem Jahrhundert in der Region verankert ist. Ihren Anfang nahm sie im Hotel «Touring de la Gare» in Biel, wo Grossvater Albert Scheibli seine Gäste bewirtete und einst das Entrecôte «Chez nous» schuf – ein Gericht, das bis heute unverändert auf der Karte steht.
Sein Sohn Henri Scheibli führte die Tradition in die nächste Generation. Nach Lehr- und Wanderjahren im Ausland kehrte er zurück und prägte den Familienbetrieb in den 1960er-Jahren entscheidend mit, bevor er den Schritt ins Grüne wagte: die Übernahme der Waldschenke. Ein Entscheid, der sich als Glücksfall entpuppen sollte.
Henri Scheibli, inzwischen über 83 Jahre alt, steht noch immer mit ungebrochener Leidenschaft am Herd und prägt die Küche des Hauses Tag für Tag persönlich.
Klare Linie in der Küche
Heute, fast vier Jahrzehnte später, ist das Riegelhaus am Waldrand sein Lebensmittelpunkt geblieben. Henri Scheibli, inzwischen über 83 Jahre alt, steht noch immer mit ungebrochener Leidenschaft am Herd und prägt die Küche des Hauses Tag für Tag persönlich. Im Service wird er von seiner Partnerin Sascha Jeremic unterstützt, die den Gästen mit ruhiger Präsenz und Herzlichkeit begegnet und so wesentlich zur Atmosphäre des Hauses beiträgt.
Gemeinsam führen sie die Waldschenke mit einer Mischung aus Konstanz und stiller Hingabe – fernab jeder modischen Gastronomie-Effekte, aber mit einem klaren kulinarischen Bekenntnis: provenzalisch-französische Küche in ihrer ehrlichsten Form.
Im Inneren empfängt den Gast eine warme, fast intime Atmosphäre. Holz, weiss gedeckte Tische, sorgfältig gesetzte Antiquitäten – alles wirkt bewusst unaufgeregt. Draussen rauscht der Wind durch die Bäume, drinnen entfalten sich Aromen von Butter, Kräutern und südlicher Küche.
Henri Scheiblis Küche folgt einer klaren Linie: frisch, saisonal, hausgemacht. Klassiker wie das Entrecôte «Chez nous», im Kupferpfännchen serviert und am Tisch mit Kräuterbutter vollendet, stehen sinnbildlich für die Philosophie des Hauses. Daneben finden sich Bouillabaisse nach Marseiller Art, Muscheln in Weissweinsauce oder Doradenfilet mit Camargue-Reis – Gerichte, die nicht überraschen wollen, sondern überzeugen.
Gelebte Gastfreundschaft
Trotz ihrer Abgeschiedenheit hat sich die Waldschenke längst einen Namen in der gehobenen Gastronomie erarbeitet. Hier geht es nicht um Trends, sondern um Beständigkeit auf hohem Niveau. Auch prominente Gäste haben den Weg hierher gefunden – geblieben ist davon jedoch nichts Lautes, sondern lediglich die Ruhe, Gemütlichkeit und Herzlichkeit.
Wenn der Abend sich senkt und die Küche zur Ruhe kommt, zeigt sich eine letzte, unerwartet persönliche Facette dieses Hauses. Dann greift Henri Scheibli – wenn Zeit und Stimmung es erlauben – zur Gitarre. Französische Chansons erfüllen den Raum, schlicht und unaufdringlich, fast beiläufig.
Es sind diese Momente, die der Waldschenke ihre eigentliche Signatur verleihen: kein Konzept, keine Inszenierung, sondern gelebte Gastfreundschaft in ihrer einfachsten Form. Ein Ort, an dem sich kulinarische Tradition, persönliche Geschichte und stille Authentizität zu etwas verbinden, das selten geworden ist – und gerade deshalb bleibt.
Französische Chansons erfüllen den Raum, schlicht und unaufdringlich, fast
beiläufig.