
Nein-Parole zur Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!»
Das Gastgewerbe ist auf Zuwanderung angewiesen. Ohne diese Arbeitskräfte drohen Betriebsschliessungen, kürzere Öffnungszeiten und steigende Preise. Die sogenannte Chaosinitiative würde die Personenfreizügigkeit mit der EU aushebeln und somit das Gastgewerbe hart treffen: Zwei von drei Betrieben beschäftigen nämlich Mitarbeitende aus der EU oder dem EFTA-Raum.
«Die Chaosinitiative ist ein Frontalangriff auf unsere Branche», warnt Beat Imhof, Präsident von GastroSuisse. Denn die Volksinitiative würde die Personenfreizügigkeit mit der EU faktisch aushebeln. Zwei von drei gastgewerblichen Betrieben beschäftigen EU- oder EFTA-Personal, wie eine aktuelle Mitgliederumfrage von GastroSuisse zeigt. «Wer die Zuwanderung massiv einschränkt, legt Restaurants und Hotels lahm», stellt Imhof klar.
GastroSuisse nimmt die Sorgen der Bevölkerung zur Zuwanderung ernst. Das Gastgewerbe investiert seit Jahren in die Berufsbildung, fördert den Nachwuchs und schöpft das Potenzial inländischer Fachkräfte aus. «Diese Anstrengungen sind wichtig, aber sie reichen nicht aus, um den strukturellen Fachkräftemangel zu decken», sagt Imhof. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Schweiz auch künftig auf Zuwanderung angewiesen sein, insbesondere in arbeitsintensiven Branchen wie dem Gastgewerbe.
Arbeitsmarktverknappung als Kostentreiber
Das Gastgewerbe steht schon heute unter Druck. Die Personalkosten machen 51 Prozent eines Umsatzfrankens aus. Anfangs Jahrtausend waren es noch 43 Prozent. Gleichzeitig sinken die Margen. «Eine weitere Verknappung des Arbeitsmarktes würde die Kosten weiter in die Höhe treiben», sagt Kareen Vaisbrot, Direktorin von GastroSuisse. «Und das können unsere Betriebe nicht verkraften», sagt sie. Für die Bevölkerung wären die Folgen unmittelbar spürbar: verkürzte Öffnungszeiten, höhere Preise, ein schlechteres Angebot und mehr Betriebsschliessungen. «Ob Dorfcafé, Familienrestaurant oder Berghotel: Die Initiative gefährdet ein zentrales Stück Alltagskultur und Wirtschaftskraft», betont Vaisbrot.
GastroSuisse anerkennt, dass das Bevölkerungswachstum Herausforderungen mit sich bringt – etwa beim Wohnraum bei der Infrastruktur oder der Lebensqualität. Diese Fragen verdienen gezielte Lösungen. Der Bundesrat ist gefordert. «Eine gelingende Integration ist zentral. Wer in der Schweiz bleiben möchte, soll auch am Arbeitsleben teilhaben. Eine starre Begrenzung löst jedoch keines dieser Probleme. Sie schwächt stattdessen systemrelevante Branchen wie das Gastgewerbe», sagt Imhof. GastroSuisse lehnt die Chaosinitiative deshalb entschieden ab.