Gloria Helvetia Brodmann Cigars:

Rauch und Urteil - wie eine Zigarre entsteht

30.04.2026
Gourmet 5/26
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Eine Zigarre entsteht nicht durch Zufall. Sie ist das Ergebnis von Vorstellung, Erfahrung und einer grossen Portion Geduld. Zwischen der ersten Idee einer Mischung, dem passenden Format und den ersten gerollten Prototypen beginnt ein Prozess des Probierens, Wartens und erneuten Degustierens – bis sich zeigt, ob aus einer Idee tatsächlich eine Zigarre werden kann.

Wenn Paloma Szathmáry und Romeo Brodmann, die Verantwortlichen bei Gloria Helvetia Brodmann Cigars, eine Zigarre kreieren, folgen sie gewissen Kriterien. Diese stehen jedoch nicht zwingend in einer festen Reihenfolge. Manchmal beginnt alles mit einer Idee für eine Mischung, für die sie dann das passende Format suchen. In anderen Fällen steht zuerst eine Idee für ein Format im Raum, das sie selbst entwickeln und sich dann dazu überlegen, welche Mischung diesem Format gerecht werden könnte – so etwa geschehen bei den Editionen Lindenhof, Losanna oder Escalade de Genève.

Es kann aber ebenso gut vorkommen, dass sie beim Durchstreifen des Tabaklagers bei ihrem Produzenten in der Dominikanischen Republik auf Blätter stossen, die ihnen besonders gefallen oder die ihnen in den persönlichen Gesprächen vor Ort als besonders interessant erscheinen. Ausgehend von diesen Tabaken entsteht dann die Idee für eine Mischung – und daraus wiederum das passende Format. Die Entstehung einer Cigarre ist selten ein linearer Prozess. Sie gleicht eher einem Dialog zwischen Tabak, Format und Vorstellung. Ist eine erste Mischung definiert, werden die ersten Prototypen gerollt. Von diesem Moment an wird es ruhig und spannend.

Degustation in mehreren Schritten

Die frisch gerollten Zigarren werden zunächst sofort geraucht. Das klinge vielleicht ungeduldig, meint Romeo Brodmann, sei aber sehr aufschlussreich. Eine frische Zigarre zeige bereits, ob die Mischung grundsätzlich funktioniert, ob Kraft, Aroma und Zug zusammenpassen oder ob ein Blatt zu dominant wird. Einen Teil dieser Prototypen werden nach etwa einer Woche, noch in der Karibik, nochmals geraucht und beurteilt.

Der andere Teil reist im Gepäck zurück in die Schweiz. Dort lagern die Zigarren etwa einen Monat, bevor sie von Paloma, Romeo und einem kleinen Kreis von Experten erneut degustiert werden. In dieser Phase beginnt sich die Mischung zu setzen. Die Aromen verbinden sich, Schärfen verschwinden und das Gleichgewicht wird klarer erkennbar. Hier spiele auch das Klima eine Rolle, so Brodmann. Der Wechsel von der karibischen Wärme und Feuchtigkeit zur gemässigteren europäischen Lagerung zeige oft sehr deutlich, wie stabil eine Mischung tatsächlich ist beziehungsweise wie sie sich verändert. Man erlebe, wie sich Struktur, Balance und Aromatik verändern. Erst danach lässt sich beurteilen, ob eine Mischung tatsächlich das Potenzial hat, zu einer guten Zigarre zu werden.

Damit solche Degustationen vergleichbar bleiben, arbeiten alle, die sich ernsthaft mit Premiumzigarren beschäftigen, mit einer Degustationsstruktur. Diese hilft, Eindrücke zu ordnen und präzise zu beschreiben – vom Zug über den Abbrand bis hin zur Entwicklung der Aromen. Ein detailliertes Raucherprotokoll mit den wichtigsten Begriffen und einem Ablauf, der eine Degustation nachvollziehbar macht, findet man auf der Webseite.


Raucherprotokoll – Die Vermessung der Stunde

Von Romeo Brodmann

Eine Zigarre degustiert man nicht nebenbei. Man gibt ihr Raum – und sich selbst ebenso. Idealerweise liegt die Umgebungstemperatur zwischen 18 und 22 °C, die Luft ist ruhig, frei von Zug und fremden Gerüchen. Die Zigarre selbst stammt aus einem Humidor mit stabilen 65 bis 69 Prozent Luftfeuchtigkeit. Zu feucht wird sie schwer, zu trocken nervös. Bevor das Feuer sie berührt, prüft man Deckblatt, Rollung, Kaltgeruch. Dann wird sie mit Ruhe entzündet – nicht verbrannt. Die ersten Züge sind kein Urteil, sondern Annäherung. Man achtet auf Zugwiderstand, Rauchtemperatur, Textur. Die Cigarre entwickelt sich in Dritteln, verändert Spannung und Tiefe. Degustation bedeutet Aufmerksamkeit: auf Aromatik, Balance, Entwicklung – und auf die eigene Stimmung.


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