Sauteuer, aber gut!

30.04.2026
Gourmet 5/26
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Hohe Preise führen zu Frequenz-Verlust. Ein hartnäckiger Mythos. Gäste akzeptieren faire Preise. Wenn Leistung, Erlebnis und Story stimmen. Und so sollten wir gegenüber unseren Gästen vom Preis-Leistungs-Verhältnis sprechen.

Problematisch sind nicht hohe Preise, sondern schwache Begründungen und fehlender Mehrwert. Wenn der Weisswein zu warm serviert wird und der Mitarbeiter nicht freundlich ist, dann sind auch fünf Franken zu viel. Wo Qualität, Präzision und Verlässlichkeit stimmen, entsteht Akzeptanz, auch beim Preis.

Die nächsten Preiserhöhungen stehen vor der Tür. Ob fremdgesteuert, über den Umweg Washington und Teheran. Oder hausgemacht, durch eine weitere Erhöhung der Mehrwertsteuer. Wir werden diese Kosten an unsere Gäste weitergeben müssen.

Umso wichtiger ist die Frage: Was sind meine Alleinstellungsmerkmale? Wo kann ich in meinen Kosten noch an der einen oder anderen Schraube drehen? Viel Spielraum haben die Unternehmen nicht. Also geht es um Abläufe, Ziele, Menschen. Sitzen die Handgriffe? Arbeiten wir effizient?

Jeder Apéro mehr bringt Geld in die Kasse, bringt Deckungsbeitrag. «Möchten Sie schon was trinken?» oder «Darf ich Ihnen zum Apéro dieses oder jenes empfehlen…?» Dazwischen liegen Welten. Emotional und betriebswirtschaftlich.

Ist unser Storytelling glaubwürdig? Wann, wenn nicht jetzt, ist es an der Zeit uns und unser Produkt aktiv zu verkaufen.  Ein zügig servierter, perfekter Apéro kann der Start in einen wunderbaren Abend sein. Der Gast soll sich wohl und königlich behandelt fühlen. Der Gast ist König. Ein weiterer Mythos. «We are Ladies and Gentlemen serving Ladies and Gentlemen» machte Horst Schultze, Gründer des Ritz Carlton, daraus.

Die Wirklichkeit sieht selten, aber doch, anders aus. Manche Könige sind ungeduldig. Oder fordern Unmögliches zur Unzeit. Die SRF-Dokus über die Kronenhalle in Zürich oder das Gstaad Palace haben das über die Branche hinaus bekannt gemacht. Unsere Mitarbeiter leiden unter den «schwierigen Gästen».  Wer möchte heute noch Diener eines fordernden Monarchen sein?

Echte Gastfreundschaft braucht deshalb Augenhöhe. Verabschieden wir uns von der alten Monarchie und Unterordnung. So war der Satz mit dem König auch nie gemeint. Ein guter Gast schätzt unsere harte Arbeit. Respekt ist keine Einbahnstrasse.

Denn auch unsere Systeme leiden. Sonderwünsche, Allergien, Unverträglichkeiten oder religiöse Motive. Bei letzterem sind Veganer ausdrücklich mit gemeint. Sie alle erhöhen die Komplexität in den Unternehmen. Es braucht mehr Know-how, mehr Handgriffe, mehr Mitarbeiter. Das treibt die Kosten in die Höhe. Das alles hat seinen Preis.

Qualität zieht Qualität an. Wer wegen dem Preis jammert, ist am falschen Ort. Mutige Unternehmer gewinnen in dieser neuen Zeit. Sind wir stolze Gastgeber statt Untertanen. Mit klaren Konzepten. Charmant, unkompliziert, gastfreundlich, optimistisch. Viele Bedürfnisse sind bekannt und wiederkehrend. Machen wir unsere Angebote, unsere Teams, unsere Software und unsere Abläufe entsprechend flexibel.

Ein erfüllter Sonderwunsch ist wie eine gut behandelte Reklamation: der Gast wird es uns durch sein Wiederkehren (und eine königlich gute online-Bewertung) danken. Authentizität und Contenance schlagen jede noch so teure goldene Krone. Der Gast bleibt Gast und Menschlichkeit ist Trumpf. Bleiben wir dabei mutig und echt. Dann können wir auch hinter unseren Preisen stehen.

Die Zukunft gehört den Unternehmen, die ihre Leistung begründen können. Nicht mit Ausreden, sondern mit Substanz. Nicht mit Lautstärke, sondern mit Klarheit. Wer weiss, wofür er steht, kann sich Mythen kraftvoll entgegenstellen.


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