Champagner Erlebnis in Marbella – ein Reisebericht

29.12.2025
Online-News
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Das bemerkenswerteste Champagner-Erlebnis dieser Reise fand nicht in der Champagne statt. Sondern unter Palmen, begleitet von Meerfisch, Tomate und andalusischer Gelassenheit. Ein Tasting in Marbella stellte Gewissheiten auf den Kopf – und zeigte eindrucksvoll, wie sehr Champagner von Zurückhaltung, Textur und Balance lebt.

Marbella empfängt mich an einem frühen Abend mit jener unaufdringlichen Wärme, die nicht um Aufmerksamkeit buhlt, sondern bleibt – zwischen Haut und Erinnerung. Schon in den engen Gassen der Altstadt formt sich das Leitmotiv dieser Reise: Marbella, die Schweiz und das Leise. Denn hier, zwischen andalusischem Temperament und schweizerischer Beobachtungsgabe, entfaltet sich kein Spektakel. Sondern ein Dialog.

Altstadt Marbella – wo Gelassenheit Geschichte hat

Die Altstadt von Marbella wirkt wie ein Pastellfarbentraum: weiss getünchte Häuser, üppige Geranien, . Auf der Plaza de los Naranjos liegt ein Duft in der Luft, der gleichzeitig nach Orangenschale, Knoblauch und kulinarischer Verheissung riecht. Hier geniesse ich  Churros mit heisser Schokolade ,und da ereignet sich auch mein persönlicher Gourmet-Moment – oder genauer: ein lehrreicher Augenblick zwischen Humor und Demut.

Beim Fotografieren vertieft in Licht, Winkel und Stimmung,  bemerke ich nicht dass eine ältere spanische Señora neben mir ebenfalls posiert. Allerdings nicht für ein Bild – sondern um mir wortlos klarzumachen, dass ich gerade in ihrem Schatten stehe. Sie tippt mir auf die Schulter, lächelt wissend und sagt: „Chico, das Licht gehört uns allen.“ Eine Lektion in Gelassenheit. Und in Perspektive.

Vom urbanen Puls in die Ruhe

Als die Nacht näher rückt, bringt mich ein Taxi hinaus aus der vibrierenden Altstadt, hinein in die ruhigeren Ausläufer Marbellas. Am Fuss der Sierra Blanca, mit Blick auf eine sanft geschwungene Bucht, liegt das Puente Romano Beach Resort. Das Hotel wirkt nicht wie ein Rückzugsort – sondern wie ein Ort, der nie laut sein musste. Man sagt, Prinz Alfonso von Hohenlohe habe dieses Paradies erschaffen. Während ich mit meiner Kamera – treue Weggefährten seit Jahren – durch die tropischen Gärten streife, denke ich: Natürlich. Ein normaler Mensch baut keinen Ort, an dem selbst die Schatten so wirken, als wären sie inszeniert. Offiziell bin ich hier für eine Gourmande-Reportage. Inoffiziell staune ich.

Das Champagner-Tasting, bei dem alle Favoriten scheiterten

Der kulinarische Höhepunkt dieser Reise ereignet sich dort, wo man ihn nicht zwingend erwartet: bei einem Champagner-Tasting, wissenschaftlich präzise organisiert – und emotional überraschend offen. Nicht in einem glitzernden Saal, sondern in einem Landhaus mit Charakter. Holz, warme Farben, ein Hauch Provence, ein wenig Andalusien – genug rustikaler Charme, um selbst ikonische Etiketten zu erden. Und mittendrin ich, bemüht professionell, während mein innerer Monolog flüstert: „Brioche? Oder Hunger? Oder beides?“

Die Auswahl ist hochkarätig. Namen, die man normalerweise mit Respekt ausspricht. Sommeliers analysieren, nicken, notieren. Ich nehme einen Schluck und denke: so müsste Reichtum riechen – wenn er leise wäre. Dann geschieht das Unerwartete.

Der Sieger ist keiner der Favoriten:

- Nicht der teuerste

- Nicht der bekannteste

- Nicht der mit dem spektakulärsten Auftritt

Sondern ein Champagner, der sich unaufgeregt nach vorne schiebt – mit Eleganz, Mineralität und einer präzisen Leichtigkeit, die fast „Überraschung“ flüstert.

Der Sieger: Gosset Célébris 2012

Ein Champagner mit Haltung – aus dem ältesten Weinhaus der Champagne. Gosset, gegründet 1584, denkt zuerst an Wein. Lange bevor Schaum eine Rolle spielte, wurde hier vinifiziert. Der Leitsatz ist Programm: „Das älteste Weinhaus der Champagne.“ Die Betonung liegt auf Weinhaus. Ein Betrieb überlebt vier Jahrhunderte nur, wenn er sich ständig hinterfragt, weiterentwickelt und niemals kopiert – schon gar nicht sich selbst.

Der Célébris 2012 steht genau dafür: Reife ohne Allüren, Tiefe ohne Schwere, Präzision ohne Kälte. Die Perlage ist aussergewöhnlich fein, getragen von mineralischer Spannung und eleganter Balance. Die Jury hebt besonders die klare Struktur, die präzise Perlage, die mineralische Tiefe und einen Jahrgang, den die Champagne bis heute hoch einschätzt, hervor. Der Champagner wird in den kommenden zehn Jahren auf den Weinkarten der Hotels PRH und MC geführt – eine nachvollziehbare Entscheidung.

Zwischen Appetit, Vernunft und Sonnenlicht

Die Restaurants des Resorts flirten mit meinem Appetit, das Spa mit meiner Vernunft – beide mit überzeugenden Argumenten. Im botanischen Garten suche ich angeblich das perfekte Licht, in Wahrheit nur den Weg zurück.

Auf den nahegelegenen Tennisplätzen trainieren regelmässig Rafael Nadal, Novak Djokovic und andere Topspieler. Das rhythmische pock–pock der Bälle begleitet mich beim morgendlichen Cappuccino – ein Geräusch, das selbst Nicht-Tennisspieler kurz an Ambitionen glauben lässt.

Kulinarik als Ensemble

Die Gastronomie des Resorts protzt nicht – sie kuratiert. Genuss wird nicht inszeniert, sondern komponiert:

  • Fine Dining mit Champagnerbegleitung, bei dem Meerfisch und Tomate als Hauptdarsteller auftreten – präzise, produktfokussiert und von bemerkenswerter Klarheit.
  • Spanische Klassiker, serviert mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks – nur emotionaler.
  • Fischrestaurants, so frisch, dass man glaubt, die Dorade sei eben erst überzeugt worden.
  • Bars, die Cocktails mixen, als wäre es ein poetischer Akt.

Marbella zeigt sich hier von seiner leisesten Seite. Und vielleicht liegt genau darin die grösste Überraschung dieser Reise: dass am Ende nicht das Lauteste gewinnt – sondern das Beste.

Es gibt Hotels, die versprechen viel, und solche, die etwas auslösen. Das Hotel Puerto Romano gehört zur zweiten Sorte. Ein Ort, der nicht nur beherbergt, sondern einen Blick auf die Welt freilegt – und manchmal sogar auf sich selbst.


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