
KI mit Charakter: Warum dein Betrieb keine Kopie werden darf
Wenn du heute im Gastro-Alltag auf KI-Tools setzt, merkst du schnell, dass die digitalen Helfer liefern. E-Mails an Gäste sind in Sekunden getippt, Social-Media-Posts flutschen nur so raus und die Menükarte übersetzt sich fast von selbst. Das kann im Büro schon einmal 30 bis 45 Minuten pro Tag sparen. Das ist wertvolle Zeit, die du sicher lieber direkt beim Gast oder in der Küche verbringst. Doch Vorsicht ist geboten, wenn du ChatGPT oder Gemini im Autopiloten schreiben lässt. Du begibst dich damit auf dünnes Eis, denn die Technik kann zwar Texte generieren, aber sie besitzt keine echte Intuition.
Hast du auch schon Bewerbungen erhalten, die so geschliffen klingen, als hätte sie eine Deutschlehrerin verfasst? Wenn sich ein Kochlehrling oder eine Servicekraft plötzlich in einer Sprache bewirbt, die so gar nicht zu ihrem Handwerk oder ihrem Typ passt, merkst du sofort, dass etwas nicht stimmt.
Dasselbe passiert bei deinen Gästen. Wenn jede Antwort auf eine Reservationsanfrage und jeder Post auf Instagram nach dem gleichen, höflichen, aber völlig sterilen Algorithmus klingt, geht die Persönlichkeit deines Betriebs verloren. Und genau diese Nahbarkeit ist im Gastgewerbe ein unschätzbares Gut. In einer Branche, die vom Zwischenmenschlichen lebt, ist ein zu perfekter digitaler Auftritt oft eher abschreckend als einladend.
Wenn die KI den Schwenker zu weit macht
Nehmen wir ein konkretes Beispiel aus der täglichen Korrespondenz, etwa eine Absage für eine geschlossene Gesellschaft. Die Standard-KI schreibt vielleicht einen Satz wie diesen: «Es erfüllt uns mit tiefem Bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir Ihre geschätzte Anfrage für den gewünschten Zeitraum aufgrund einer pivotalen Auslastung nicht berücksichtigen können.»
Ehrlich gesagt redet so bei uns niemand. Ein Gast, der das liest, merkt sofort, dass hier die Maschine und nicht der Gastgeber geantwortet hat. Dein Stil ist nicht mehr erkennbar. Das ist gefährlich, denn Gastfreundschaft beginnt bereits beim allerersten digitalen Kontakt. Wenn dieser erste Eindruck schon künstlich wirkt, wird der Gast kaum die echte Herzlichkeit erwarten, die dein Team vor Ort auszeichnet.
Die KI als Commis, nicht als Küchenchef
Stell dir die KI wie einen flinken Commis vor. Er kann rüsten, schneiden und alles perfekt vorbereiten. Aber das Abschmecken musst du am Ende selbst übernehmen.
Ein Text, der eins zu eins aus dem Tool kommt, wirkt oft luftleer. Es fehlen die kleinen Ecken und Kanten, der lokale Einschlag oder der ganz spezifische Humor deines Hauses. Wenn du den Autopiloten ohne Kontrolle übernehmen lässt, wird dein Betrieb austauschbar. Die KI neigt dazu, alles sehr dramatisch oder übertrieben positiv darzustellen, was oft unnatürlich wirkt.
Drei Schritte für dein natürliches Schreiben
Wie nutzt du nun die Power der Technik, ohne die Seele deines Betriebs zu verlieren?
Füttere die KI mit Eigenheiten: Gib dem Tool nicht nur ein Thema vor. Sag der KI ganz direkt, dass sie locker und herzlich schreiben soll. Gib ihr Anweisungen wie: «Schreibe so, wie wir hier im Berner Oberland oder im Thurgau miteinander reden.»
Mache den Stammtisch-Test: Lies dir die Antwort der KI einmal laut vor. Klingt der Satz wirklich so, wie du ihn einem Gast auch persönlich sagen würdest? Wenn er zu hochgestochen oder kompliziert wirkt, solltest du ihn unbedingt kürzen und vereinfachen.
Habe Mut zur Lücke: Ein kurzer und ehrlicher Satz von dir selbst ist oft viel sympathischer als drei lange Absätze KI-Geschwafel ohne echten Inhalt. Die Gäste schätzen Authentizität mehr als grammatikalische Perfektion.
Handwerk bleibt Handwerk
Künstliche Intelligenz ist kein Wundermittel, sondern ein nützliches Werkzeug. Sie kann uns mühsame Routineaufgaben abnehmen, Texte vereinfachen und uns wertvolle Minuten zurückgeben. Aber die echte Gastfreundschaft und der persönliche Kontakt bleiben reine Handarbeit.
Wer heute lernt, die KI richtig zu steuern, gewinnt Zeit, um wieder mehr Mensch zu sein. Aber lass niemals die Maschine für deine Identität sprechen. Schritt für Schritt und in deinem eigenen Tempo kannst du so die Vorteile nutzen, ohne dein Gesicht zu verlieren.
Mein Tipp für deine Praxis:
Willst du wissen, wie du deine KI-Texte menschlicher machst? Der QR-Code führt dich zu einer detaillierten Wegleitung mit konkreten Beispielen für besseres Schreiben in deinem Gastro-Alltag.
Über den Autor
Alexander Fürer ist Unternehmer, KI-Strategieberater und Dozent mit über 20 Jahren Erfahrung an der Schnittstelle von Technologie, Kreativität und Wirtschaft. Er fokussiert sich auf den strategischen Einsatz von künstlicher Intelligenz in Bildung, Marketing und Unternehmensentwicklung. Als CEO von RDCL AG begleitet er Unternehmen bei der Einführung von KI-Prozessen und entwickelt innovative KI-Workflows für Kommunikation und Content Creation.
KI verstehen: einfach machen!
Diese Kolumne ist Teil einer Reihe zu einem Thema, das vielen Kopfzerbrechen macht – und dabei ganz praktische Hebel bietet: künstliche Intelligenz im Schweizer Gastgewerbe. Wir schauen darin nicht auf Tech-Trends aus Silicon Valley, sondern auf praktische Anwendungen und Tipps für den Alltag im Gastgewerbe: Wo kann KI konkret helfen? Welche Tools lohnen sich? Und wie testet man das alles mit minimalem Aufwand?