Eine Rezension:

Machen. Einfach machen – ein Buch von Marc Trauffer

17.02.2026
Gourmet 1/2/3/26
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Wie ein Holzspielwaren-Unternehmer und Musiker nebenbei und ohne Erfahrung in der Branche auch noch Hotelier und Gastronom wird? Indem er macht. Einfach macht. Seine Ideen anpackt und umsetzt. Sein Umfeld begeistern und mitziehen kann. Und indem er bereit ist, für seine Träume und Ziele einfach alles zu geben. Volles Risiko. Tag für Tag.

Klingt plausibel, klingt einfach. Doch – das wird beim Lesen schnell klar – ist es nicht. Nicht in diesem Fall. Im Gegenteil. Es geht um Pläne, die scheitern, um Umdenken und Neudenken. Und genau diese Ehrlichkeit macht diese 336 Seiten zu einem wertvollen Unternehmer-Buch.

Marc Trauffer, der Berner Oberländer, der 2018 ein erstes Buch «Marc Trauffer – dä mit de Chüeh» über sein Leben, seine Karriere als Musiker «Alpentainer» und sein Familienunternehmen schreiben liess, zeigt sieben Jahre später in der Fortsetzung «Machen. Einfach machen», dass er kein bisschen von seinem unternehmerischen Denken und Handeln abgekommen und keinen Millimeter an Durchhaltevermögen und Mut verloren hat. Ein paar graue Haare seien dazugekommen. Wer das Buch liest, dem wird klar, woher diese kommen. Während Trauffer eine Erlebniswelt mit Gastronomie und Hotel plante – dies zusammen mit seiner Frau, die übrigens die Autorin seiner Bücher und die Gastgeberin des touristischen Betriebes ist – und im März 2021 zu bauen begann, brach Corona über ihn herein.

Sein Holzspielwaren Unternehmen verkaufte keine einzige der kultigen Holzkühe mehr und die Mitarbeitenden mussten in Kurzarbeit. Wenige Meter weiter im Dorf Hofstetten bei Brienz war bereits ein grosses Loch für sein neustes Projekt, die Erlebnsiwelt, gegraben worden. Die Kosten stiegen täglich an, eine Katastrophe, da der Bau sowieso schon mit allen privat zur Verfügung stehenden Mitteln finanziert wurde. Kein Polster, kein Sicherheitsnetz. Und dann das.

Trauffer, der Macher, der wenn nötig mit dem Kopf durch die Wand geht, musste auf harte Art und Weise akzeptieren, dass er zum ersten Mal ausgebremst wird – und nicht dagegen ankommen kann. Er musste lernen, Geduld zu haben, Lösungen zu finden, jeden Franken umzudrehen und dennoch nicht aufzugeben: Machen. Einfach machen. Eine andere Option hatte er nicht – zu tief steckte er mitsamt seines Familienunternehmens bereits im Projekt drin.

Nach 16 Monaten Bauzeit, fast auf den Tag genau mit Aufhebung der Maskenpflicht, konnte Marc Trauffer plangemäss seine Erlebniswelt und sein Hotel eröffnen. Ab dem 4. Juni 2022 hiess es für ihn und seine Frau: Jetzt gilt es ernst. Jetzt mussten sie beweisen, dass sie das alles nicht nur bauen konnten, sondern es auch führen können. Mit hohen Krediten im Rücken, und fast genauso hohen Erwartungen der Gäste.

Dass das touristische Projekt in den Medien bereits ab Baubeginn diskutiert wurde und mitten im Bau bereits mit einem Hotel Innovations Award ausgezeichnet wurde, erhöhte zwar die Buchungszahlen, aber auch den Druck auf das Paar, das keine Ahnung von Gastronomie oder Hotellerie hatte. Ein Maurer und eine Lehrerin. Und das soll funktionieren? Das Buch beschreibt den Sprung des Paares ins kalte Wasser, sie erzählen ehrlich wie es ist, gemeinsam ein Unternehmen durch die Start-up-Zeit und gleichzeitig durch eine völlig unverschuldete Krise zu führen – als Mann und Frau und Tag für Tag Seite an Seite zu arbeiten. Mit Höhen und Tiefen umzugehen.

Das Buch zeigt auf, wie hart es sein kann, seine Träume anzupacken. Dass schlaflose Nächte dazugehören. Es zeigt aber auch, dass Durchhalten sich lohnt. Dass man stolz sein darf, wenn man ein Ziel erreicht und einen Traum wahrgemacht hat. Dass harte Arbeit und Mut sich auszahlen können.

Unser Tipp: Lesen. Einfach lesen.


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