Ein Herzensprojekt der Kadi AG: Mit der Durchführung des Goldenen Kochs 2021 trotzt das Unternehmen der Krise – jetzt erst recht. Das im Oktober 2020 im Trafo Baden aufgezeichnete Halbfinale wird im Mai 2021 als Blick TV-Serie ausgetragen, das Finale findet im Berner Kursaal statt – live oder digital, das ist noch unklar.
Der Goldene Koch 2021

«Wir unterstützen die Gastronomie!»

04.12.2020
Gourmet 12/20
  • Interview
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Der Goldene Koch der Kadi AG präsentiert sich nach 30 Jahren in Bestform. Projektleiterin Sarah Hunziker und ihr OK jonglieren den bewährten Kochwettbewerb souverän durch die Krise, bringen mit dem Goldenen Koch so etwas wie Normalität in die Küchen der gebeutelten Gastronomie und zeigen, dass ein digitales Format kein lauer Kompromiss, sondern eine grosse Chance sein kann, wenn man es wie die Kadi AG richtig anpackt. Geplant ist die Ausstrahlung des Halbfinals in vier Tranchen im Blick TV und ein grosses Finale im Berner Kursaal. Das TV-/Online-Format soll den Weg zu den Bildschirmen nationaler Fernsehsender ebnen – denn damit liebäugelt die Kadi AG schon länger. Ein Gespräch mit Sarah Hunziker.

«Nach dem Finale im 2019 haben wir die Nominierten von zwölf auf acht und die Finalisten von sechs auf fünf Kandidaten reduziert, um den einzelnen Koch und seinen Betrieb noch stärker in den Fokus zu rücken», erklärt Sarah Hunziker.

Sarah Hunziker ist Bereichsleiterin Marketing bei der Kadi AG, Projektleiterin des Goldenen Kochs und seit sechs Jahren selber Gastronomin. Sie leitet mit ihrem Mann das Schüpbärg-Beizli in Schüpfen bei Bern.

Die Vegi-Küche hält Einzug: «Erstmals müssen die Kandidaten eine Vegi-Vorspeise zubereiten. Fixer Bestandteil ist ein Wachtelei. Hinzu kommen die bewährten Fisch- und Fleischteller», erklärt Sarah Hunziker.

Sarah Hunziker, Sie haben den Goldenen Koch in den letzten neun Jahren an der Seite von Yvonne Richard, Leiterin Marketing und Verkauf, mitgestaltet. Dieses Jahr haben Sie den Lead übernommen – ein schwieriges Jahr für diese Bewährungsprobe?

Ich fange ja nicht bei null an – das Fundament ist vorhanden, und darauf bauen wir auf. Ich habe intern vollste Rückendeckung und ein Team, das mit anpackt, zudem die Unterstützung verlässlicher Partner und einer erfahrenen Eventagentur. Wir sind also ein eingespieltes Team, das auf eine langjährige Zusammenarbeit blickt.

Klar, dieses Jahr ist speziell, wir müssen vieles abwarten, kurzfristig entscheiden. Für mich als Projektleiterin ist es aber mega cool, dass unsere Firma am Wettbewerb festhält, gerade jetzt, wo die finanziellen Mittel schwinden. Die Kadi AG bekennt sich zum Goldenen Koch, weil sie sagt: Wir sehen, dass die Gastronomie leidet. Wir leben von der Branche und möchten ihr etwas zurückgeben.

Was bedeutet der Goldene Koch für die Kadi AG?

Es ist ein Herzensprojekt des gesamten Kadi-Teams, unser geheimes Hobby sozusagen. Der Wettbewerb startete vor 30 Jahren in einem kleinen Rahmen, gewann immer mehr Ansehen und Anerkennung. Für uns entwickelte sich der Goldene Koch zu einem lässigen Marketinginstrument, im Gegenzug investieren wir viel in diese Meisterschaft. Mit der umfangreichen Kommunikationsleistung, die wir mittlerweile aufgebaut haben, unterstützen wir den Kochberuf als solchen, aber auch die teilnehmenden Köchinnen und Köche sowie ihre Betriebe. Und die hohe Nachfrage bestätigt unsere Bestrebungen. Wir hatten noch nie so viele Anmeldungen wie dieses Jahr.

Was steckt hinter diesem Wettbewerbseifer?

Einerseits ist es der Lohn unserer Arbeit der letzten Jahre. Wir haben den Wettbewerb ausgebaut und weiterentwickelt. Andererseits steht jetzt eine Generation am Herd, die sehr engagiert und bereit ist, viel zu trainieren, und das on top von Arbeitseinsätzen, die alles andere als sexy sind. Und dann ist da auch ein gewisses Streben nach Ruhm und Ehre…

Viele haben ihre Veranstaltungen abgesagt, die Kadi AG aber hält am Goldenen Koch fest – warum?

Diesem Entscheid gingen lange Diskussionen voraus. Als erstes stellte sich die finanzielle Frage – können wir das stemmen oder nicht? Letztlich lief es darauf hinaus, dass wir mit einer digitalen Ausrichtung wichtige Erfahrungen sammeln können. Längerfristig wollen wir den Sprung ins nationale Fernsehprogramm schaffen. Das ist unser Ziel. Die diesjährige Promotion des Wettbewerbs über die sozialen Medien sowie die Kooperation mit Blick TV sind wichtige Schritte in diese Richtung.

Sie sehen die digitale Austragung also nicht als Kompromiss, sondern effektiv als Chance?

Auf jeden Fall. Wir diskutieren schon länger, wie wir dem Goldenen Koch eine noch grössere Reichweite verleihen können. Mit der Austragung des Halbfinals 2015 im Glattzentrum öffneten wir die Veranstaltung erstmals für die breite Öffentlichkeit, unter anderem mit dem Ziel, die Marke «KADI» via Goldener Koch bekannter zu machen. Als klassische BtoB-Marke kennt uns der Endkonsument kaum, und auf diese Weise ebnen wir den Weg in den Retail, zum BtoC-Markt. Dabei hilft eine digitalere Ausrichtung natürlich enorm – viele reden ja ganz einfach «vom KADI», wenn sie den Goldenen Koch meinen (lacht).

Demnach stand eine Absage immer ausser Frage?

(Denkt nach) Wir haben immer nach Lösungen FÜR eine Durchführung gesucht. Es durfte aber keine Einzellösung fürs Halbfinale sein. Der rote Faden musste ersichtlich sein – dazu gehören auch Überlegungen, wie wir das geplante Finale im Berner Kursaal digitalisieren können, um eine möglichst grosse Reichweite zu erzielen. Denn – ob die Präsenzveranstaltung im Kursaal Bern mit bislang jeweils rund 1200 Gästen stattfinden kann, ist zurzeit natürlich alles andere als sicher.

Das heisst, Sie müssen zwei Wege verfolgen – einen Event vor Ort und gleichzeitig eine digitale Version des Finals?

Das Finale soll am 31. Mai 2021 im Kursaal stattfinden. Ebenso wird die Ausstrahlung der Episoden nun wenige Wochen vor dem Finale, im Mai 2021, via Blick TV gezeigt. Das Gute am Kursaal Bern ist: Wir können die Anzahl der Gäste variieren. Statt der üblichen 1200 werden vielleicht nur 400 Personen anwesend sein können. Andererseits braucht es eine gewisse Anzahl Leute, um eine gute Stimmung zu erzeugen. Irgendwann halten sich Aufwand und Ertrag nicht mehr die Waage. Kurz gesagt, es gibt viele Aspekte, die den Entscheid beeinflussen. Es geht beispielsweise auch darum, wie man Sponsoren und Partner einbindet, damit sie die vereinbarte Reichweite erlangen. Irgendwann wollen wir zudem die Publikumsmedien ins Boot holen, was im Halbfinale ja nicht möglich war.

Weshalb nicht?

Statt der geplanten Live-Austragung im Glattzentrum fand im Oktober 2020 ein zweitägiges Halbfinale unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Trafo Baden statt. Marco Fritsche hat den Anlass moderiert und Jury-Präsident Ivo Adam co-moderiert. Von acht Teilnehmern, darunter eine Frau, kamen fünf ins Finale. Über die Wahl der Finalisten wurde Stillschweigen vereinbart, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Deshalb machte der Beizug der Medien zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn.

Im Mai 2021 ist dann die Ausstrahlung des Halbfinals über Blick TV vorgesehen. Geplant sind vier halbstündige Episoden. Zuerst bereitet ein Viererteam die vegetarische Vorspeise mit Wachtelei und den Fischteller zu. In der Folgewoche richtet das zweite Viererteam die Fisch- und Vegi-Formationen an. In der dritten und vierten Woche folgt die Zubereitung des Fleischtellers. Das gibt insgesamt ein cooles Päckli mit dem Finale als krönender Abschluss.

Wie haben die Kandidaten auf das Halbfinale abseits von Applaus und Medienrummel reagiert?

Die Freude überwog, dass der Wettbewerb überhaupt stattfinden konnte. Die Köche sind glücklich, sich mit ihren Berufskollegen zu messen, die Leute vielleicht auch zu animieren, auf Restaurantbesuche nicht völlig zu verzichten. Mitumfassenden Kommunikationsleistungen rund um den Wettbewerb rücken wir die Teilnehmenden ja trotzdem auf vielerlei Weise ins Rampenlicht. Aber natürlich war es speziell, vor allem die Bekanngabe der fünf Finalisten, die quasi tonlos über die Bühne ging – den Applaus dafür müssen sie später abholen.

Sie haben es angesprochen – die Leute sollen zu Restaurantbesuchen motiviert werden. Weshalb ist der Goldene Koch für die Schweizer Gastronomie jetzt besonders wichtig?

Er verleiht dieser unsicheren Zeit eine gewisse Normalität und ist ein Lichtblick im Chaos vieler Einschränkungen in der Branche. Die Anmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfolgten während des Lockdowns, in einer Zeit also, in der viele um ihren Job bangten und nicht wussten, wie es weitergeht. Da ist es nur fair, ihren Aufwand zu honorieren, den Goldenen Koch in einer bestmöglichen Form auszutragen und damit auch zu dokumentieren: Wir unterstützen die Gastronomie!

Wie reagieren die Sponsoren auf das digitale Format?

Sie stehen hinter uns. Und wir sind sehr bestrebt, die vereinbarten Leistungen aufrechtzuerhalten. Während des Halbfinals brachten aber beispielsweise Sponsoring-Plakate herzlich wenig, und auch im Final ist ihre Wirkung je nach dem fraglich. Deshalb mussten wir neue Formate finden. Während des Halbfinals im Glattzentrum liefen beispielsweise jeweils Imagefilme. Für die TV-Serie sind nun Product Placements geplant. Diese eignen sich aber nicht für alle Sponsoren gleichermassen gut. Das heisst, wir mussten Lösungen erarbeiten, die für alle Partner & Sponsoren passen. Glücklicherweise beschränken sich die Kommunikationsleistungen nicht auf die beiden Events «Halbfinal» und «Final», sondern verteilen sich auf zwei Jahre. An der Igeho im November schreiben wir den Wettbewerb jeweils aus, auf die Anmeldungseingänge folgt die Nomination der acht Teilnehmenden, im Herbst steht das Halbfinale auf dem Programm und im Frühling das Finale, an das wir mit der Soirée Culinaire Suisse anknüpfen – der frisch gekürte Goldene Koch reist quer durch die Schweiz und kocht in ausgewählten Spitzenlokalen sein Siegermenu. Das gibt kommunikativ viel her und ist ein lukratives Gesamtpaket für Sponsoren und Partner.

Spitzenköche, die Convenience-Produkte verwenden – geht das überhaupt? Oder anders gefragt, wie passt die Kadi AG mit ihrem Kassenschlager Pommes-Frites zu Kochkünstlern, die am Goldenen Koch teilnehmen?

(lächelt) Das passt sehr gut zusammen. Letztlich leben wir von Köchen, die unsere Produkte einsetzen – im A-la-Carte-Service, im Bankett-Service, in vielen anderen Bereichen. Die Marke «KADI» ist eher im gehobenen Preissegment positioniert und passt von daher sehr gut zur Haute Gastronomie. Auch wir heben uns mit Qualität von der Konkurrenz ab, ähnlich wie Spitzengastronomen das mit ihren Ideen und Kreationen tun. Oder anders gesagt: Wir produzieren nicht einfach Pommes-Frites, wir haben den Anspruch, die besten Pommes-Frites auf den Markt zu bringen.

Die fünfköpfige Jury mit Jurypräsident Ivo Adam nominierte am Halbfinal in Baden die fünf Finalisten.

Ihre Pommes-Frites in den Detailhandel bringen – das ist eines der Ziele der Kadi AG. Diesen Weg ebnet der Goldene Koch vor allem mit dem Halbfinale, das seit 2015 öffentlich ist.

Ivo Adam

Teilnahmeberechtigt sind Köche aus der Schweizer Gastronomie mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung. Viele von ihnen sind wettbewerbserprobt – denn das Niveau ist hoch, die Medienpräsenz gross.

Fernsehmoderator Marco Fritsche moderierte das Halbfinale im Trafo Baden.


Kurz notiert: Der Goldene Koch

Der Goldene Koch gilt als renommierteste Koch-Meisterschaft der Schweiz und wird alle zwei Jahre im Berner Kursaal ausgetragen. Im Februar 2019 entschied Ale Mordasini (29) den Wettbewerb für sich. Der Gault Millau-Channel setzte Ale Mordasini im April 2019 auf seine Liste «Junge Talente 2019».

Coronabedingt haben sich die Vorzeichen der aktuellen Austragung geändert. Die Kadi AG hält aber am Wettbewerb fest. Im Mai 2021 ist die Ausstrahlung des Halbfinals im Blick TV geplant. Und am 31. Mai 2021 wird das Finale als Live-Show oder Fernseh-Übertragung im Berner Kursaal stattfinden. www.goldenerkoch.ch


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