
GoldenPass Express setzt auf frische Kaffeekompetenz
Seit Dezember 2022 schreibt der GoldenPass Express Eisenbahngeschichte: Als erste Zugverbindung der Schweiz ermöglicht er dank automatischem Spurwechsel eine durchgehende Reise von Montreux nach Interlaken – ohne Umsteigen, dafür mit erlesenem Catering. Dazu sammelte die MOB feinste Spezialitäten entlang der Strecke – würzigen Käse aus dem Pays-d‘Enhaut, edle Tropfen aus dem Lavaux und sogar der Kaffee kommt aus einem Vollautomaten «Made in Switzerland».
Film ab! Roger Federer und Trevor Noah
Pünktlich um 9.33 Uhr verlässt der GoldenPass Express den Bahnhof Montreux, zieht seine blau-weisse Spur durch die Postkartenlandschaft, vorbei an kristallklaren Seen, Wäldern und Bergen, tief verschneit im Winter, saftig grün im Sommer. Zunächst fährt der Zug hoch über dem Genfersee, bevor er nach ein paar eleganten Kurven ins Tal abtaucht, sich durch das Greyerzerland schlängelt und das malerische Pays-d’Enhaut passiert. Schöner geht’s kaum, das fanden auch Roger Federer und Trevor Noah, als sie ohne Ticket und Geld im vermeintlich falschen Zug landeten…


«Mit dem GoldenPass Express geht ein alter Traum in Erfüllung», sagt Frédéric Delachaux, Mitglied der Geschäftsleitung der MOB. «Der Zug verbindet drei der wichtigsten Hotspots – Montreux, Gstaad und Interlaken. Oder anders gesagt: Die Palmen von Montreux rücken noch näher an die Gletscher der Jungfrau. Ohne Umsteigen wird die Strecke viel komfortabler, wovon nicht nur, aber vor allem Gruppenreisende profitieren.»
Möglich macht dies ein technisches Meisterwerk, das die MOB in Zusammenarbeit mit Alstom entwickelt hat. In Zweisimmen wechseln die Drehgestelle der Wagen von der Meterspur der MOB (1000 mm) auf die Normalspur der BLS (1435 mm). «Insgesamt investierte die MOB 89 Millionen Franken in das Projekt», erklärt Frédéric Delachaux. Eine interessante Randnotiz: Da die Loks nicht spurfähig sind, erfolgt in Zweisimmen ein Lokwechsel. «Gleichzeitig wechseln Lokführer und Zugbegleiter und die BLS übernimmt, da die Strecke ab Zweisimmen unter ihrer Hoheit ist. Einzig unser Catering-Team begleitet die Gäste auf der gesamten Fahrt», erklärt Enrico D’Herin, Leiter Catering bei der MOB.
«Mit dem GoldenPass Express geht ein alter Traum in Erfüllung.»

Reisen mit Emotionen
Der GoldenPass Express verkehrt viermal täglich mit acht Verbindungen - vier Hin- und vier Rückfahrten zwischen Montreux und Interlaken. «Eine Reservation ist empfehlenswert. Die Nachfrage ist hoch, vor allem bei Reisenden aus Asien und Amerika», sagt Enrico D’Herin und Frédéric Delachaux ergänzt: «Die MOB ist mehr als ein Verkehrsunternehmen: Wir bringen die Menschen nicht nur von A nach B, sondern nehmen sie mit auf eine Reise, die Emotionen weckt, Ausblicke schenkt und das Reisen selbst zum Erlebnis macht.»
Dieser Anspruch spiegelt sich auch im Inneren des Zugs wider: drehbare Sitze in der Premiumklasse, Panoramafenster, die die Landschaft in bewegte Bilder fassen und ein Catering, das überrascht. Klein, aber fein - mit Köstlichkeiten, die von der Strecke selbst erzählen. «Alpenkaviar von Stören aus warmem Bergquellwasser, Weine aus den Unesco-Terrassen des Lavaux und Bergplättli mit Käse- und Fleischspezialitäten, die entlang der Route produziert werden», erläutert Enrico D’Herin das exklusive Angebot.

Eine kulinarische Reise parallel zur landschaftlichen also, die seit Anfang Jahr auch beim Kaffee neue Akzente setzt. Statt des bisherigen Instant-Kaffees stehen neu Cappuccino, Espresso und Café Latte in Barista-Qualität auf der Karte, die neben Punsch, Tee und heisser Schokolade mit der S2 Railway CST von Rex-Royal zubereitet werden. «J’adore la machine», schwärmt Filomena Pisoni, Stewardess an Bord. «Ich schätze die einfache Bedienung, das schöne Design und natürlich die Barista-Qualität des Kaffees.»
Von Normierungen zu Innovationen
«Rex-Royal ist weltweit die einzige Herstellerin von Kaffeevollautomaten, die speziell für den Einsatz in Zügen zugelassen sind», erklärt Christoph Staubli, seit 15 Jahren bei Rex-Royal und Experte für das Kaffeegeschäft auf Schienen. Nach der verheerenden Brandkatastrophe in der Kapruner Gletscherbahn im Jahr 2000 wurden die Brandschutznormen für Züge deutlich verschärft. Das war ein entscheidender Wendepunkt, der einen kompletten Neustart in der Konzeptionierung von Kaffeemaschinen an Bord mit sich zog.


«Materialien, Technik und Sicherheitsstandards mussten von Grund auf neu gedacht werden, um den strengen Anforderungen an Bord gerecht zu werden», erklärt Christoph Staubli. Die Vorgaben verlangen schwer entflammbare, toxikologisch unbedenkliche Kunststoffteile nach der höchsten Brandschutznorm sowie schock- und vibrationsresistente Montagerahmen für maximale Stabilität – getestet unter Extrembedingungen. «Eine Entwicklungsarbeit, die nie abgeschlossen ist, da laufend Anpassungen an verschärfte Normen sowie regelmässige Rezertifizierungen notwendig sind.»

Technische Details im mobilen Einsatz
Neben höchsten Sicherheitsstandards punktet die S2 Railway, die von Rex-Royal in Dällikon von Grund auf konzipiert und produziert wird, auch mit cleveren Lösungen für den Bahnbetrieb. So gewährleistet die integrierte Wasserselbstversorgung einen kon-stanten Leitungsdruck - und meistert damit mühelos die Herausforderung der begrenzten Wasserversorgung an Bord.

Auch die Wartung ist in engen Zugküchen eine Herausforderung. Deshalb hat Rex-Royal eine Slide-in-Plattform entwickelt, ein Schlittensystem aus Edelstahl, das die Maschine mit nur zwei Bolzen von Strom, Signal sowie Frisch- und Abwasser trennt. «So kann die Wartung bequem ausserhalb des Zugs erfolgen», sagt Christoph Staubli und verweist auf eine weitere technische Finesse – die Frostsicherung. «Bei Frostgefahr pumpt das System automatisch alles Wasser aus und schützt so die Maschine bis zu -40 °C. Nach frostigen Nächten sorgt ein schonender Auftauprozess dafür, dass der Cappuccino wieder dampft.»
«J’adore la machine.»

Frédéric Delachaux bestätigt: «In einem Zug gibt es in der Tat viele Einschränkungen, darunter auch die Stromversorgung – vor allem, weil wir mit zwei verschiedenen Stromarten zwischen dem MOB- und dem BLS-Netz arbeiten. Nach ausgiebigen Tests mit verschiedenen Anbietern konnte uns Rex-Royal eine Maschine liefern, die alle unsere Anforderungen erfüllte. Schon nach den ersten Kontakten waren wir von der professionellen Herangehensweise überzeugt. Zudem ist Rex-Royal eine Schweizer Marke, die perfekt zu unserem Swiss-Made-Zug passt.»
Und während im GoldenPass Express der Espresso dampft, setzen seit vielen Jahren zahlreiche internationale Bahnunternehmen auf die Schweizer Kaffee-Kompetenz von Rex-Royal: zum Beispiel die «Le Grand Tour» aus Frankreich, die in sechs Tagen durch Frankreich tourt. Die Mission von Rex-Royal: Perfekter Kaffee auf Schienen – und das weltweit.

Die Geschichte der MOB im Zeitraffer
1901-1905
Anfänge mit Weitblick
Bereits 1901 dampfte der erste Zug von Montreux nach Les Avants, und 1905 war die gesamte Strecke elektrifiziert. Meterspur statt Normalspur – ein cleverer Schachzug, der die Strecke wie gemacht für die alpine Landschaft machte.
1906–1931
Früher Luxus und britische Fans
Mit dem ersten Restaurantwagen 1906 und den eleganten Pullmanwagen ab 1931 brachte die MOB nicht nur Passagiere, sondern auch Stil in die Berge. Englische Gäste, darunter Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg, schwärmten von der Bahn – die Alpen waren ihr neuer Geheimtipp.
1929–1969
Zwischen Krise und Erfindergeist
Weltwirtschaftskrise und immer mehr Autos bremsten die MOB zunehmend aus. Sie antwortete mit Diversifikation: Busse, Lastwagen und staatliche Hilfe hielten sie am Laufen. Einige Strecken überlebten als Museumsbahnen – Nostalgie statt Stilllegung.
1976–1993
Panorama und Prominenz
Als die MOB 1976 den ersten Panoramawagen auf Schmalspurgleisen einführte, wurde sie zur rollenden VIP-Lounge der Alpen, in der sogar Queen Elizabeth II. Platz nahm. Mit dem Crystal Panoramic Express wurde die Fahrt endgültig zum Event.

2001–2022
Technik trifft Vision
Was tun, wenn zwei Spuren nicht zusammenpassen? Die MOB erfand das variable Drehgestell und überbrückte die Kluft zwischen Meter- und Normalspur. Stadler baute die Züge und 2022 feierte der GoldenPass Express mit Shania Twain und Mike von Grünigen Premiere.

Die Reise als Ziel
In 3 Stunden und 15 Minuten verbindet die Reise drei Kantone, zwei Sprachen und zwei Kulturen.

Viel Power auf Schienen
Die S2 Railway CST erweitert die Basisausführung um eine PowerSteam-Dampflanze, die eine automatische Milchaufschäumung auf Knopfdruck für Cappuccinos oder andere Milchspezialitäten ermöglicht. Das integrierte Tee-/Dampf-Boiler-System liefert eine Heisswasserstundenleistung von bis zu 33 Litern und erlaubt Teebezüge während der Kaffeeausgabe.
Compagnie du Chemin de fer Montreux Oberland bernois SA
Rue de la Gare 22
1820 Montreux
Rex-Royal AG
Industriestrasse 34
8108 Daellikon-Zürich